Die Stadt im Neoliberalismus

Eine Veranstaltungsreihe der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen:

25. September
Erfurt, Radio Frei, Gotthardtstr. 21, 19:00 Uhr
Volker Eick: Die Stadt im Neoliberalismus
(Einführungsvortag)
Privatisierung öffentlichen Eigentums, Videoüberwachung von Plätzen und öffentlichen Räumen, Vertreibung „störender Elemente“ aus dem städtischen Innen- und Konsumraum: städteplanerische Entwicklungen spielen in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen eine wachsende Rolle. Die Veranstaltungsreihe will anregen zum Kampf für die Verteidigung öffentlichen Eigentums, für Freiräume für alternative Lebenskonzepte. für die Utopie einer Stadt als Ort demokratischer Begegnung jenseits von Konsum und Kontrolle.

Volker Eick ist Politikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören urbane Sicherheitsregime, lokale Governance-Konzepte und lokale Beschäftigungspolitik. Er gehört zu den Herausgebern von „Kontrollierte Urbanität. Zur Neoliberalisierung städtischer Sicherheitspolitik“ (2007).

8. Oktober
Erfurt, Radio Frei, Gotthardtstr. 21, 19:00 Uhr
Eric Töpfer: Außer Kontrolle? Videoüberwachung in der neoliberalen Stadt
Die „optisch-elektronische Beobachtung“, besser bekannt als Videoüberwachung, hat sich zum urbanen Alltagsphänomen entwickelt. Welche Motive und Akteure verbergen sich hinter der nahezu allgegenwärtigen Sichtbarmachung, auf welcher Rechtsgrundlage agieren sie, worin liegen die Gefahren für Bürgerrechte und soziale Gerechtigkeit, und welche Möglichkeiten der Gegenwehr gibt es?

Eric Töpfer arbeitet als Sozialwissenschaftler. Er ist Redakteur der Zeitschrift „Bürgerrechte und Polizei“ und gehört zu den Herausgebern von „Kontrollierte Urbanität. Zur Neoliberalisierung städtischer Sicherheitspolitik“ (2007).

21. Oktober
Erfurt, Besetztes Haus, Infoladen, Rudolstädter Str.1, 19:30 Uhr
Tobias Alm: „Besetze deine Stadt! – BZ dyn by!“ Häuserkämpfe und Stadtentwicklung in Kopenhagen
Kopenhagen, 1. März 2007. Die Räumung eines selbstverwalteten Jugendzentrums, scheinbar einer Hinterlassenschaft aus längst vergangener rebellischer Zeit, löst massive, weit über Dänemark hinausreichende Proteste aus. Vor dem Hintergrund neoliberaler Stadtentwicklung in der Boomtown Kopenhagen, wo alternative Projekte nur dann eine Chance haben, wenn sie sich vom Stör- zum Standortfaktor wandeln, formulieren die im Buch beschriebenen Aneignungsbewegungen ein Modell urbanen Lebens, das sich der unternehmerischen Stadt diametral entgegenstellt.
gemeinsam mit Besetztes Haus Erfurt

11. November
Erfurt, Radio FREI, Gotthardstr. 21, 19:00 Uhr
Andrej Holm: Right to the City – soziale Bewegungen in den Städten
Das wissenschaftliche Konzept „Recht auf Stadt“ geht auf den französischen Stadtsoziologen Henri Lefebvre zurück. Es wird von sozialen Bewegungen in vielen Ländern in Kämpfen gegen die neoliberalen Stadtentwicklung aufgegriffen. Nach einer kurzen Vorstellung des Konzepts soll seine Übertragung auf städtische Kontexte hierzulande diskutiert werden. Was sind städtischen Bewegungen? Welche Themen und Forderungen werden aufgegriffen? Wie sind erfolgreiche Interventionen im Stadtteil möglich?

Dr. Andrej Holm, Sozialwissenschaftler (Universität Frankfurt) arbeitet zu Themen der neoliberalen Stadt- und Wohnungspolitik und ist seit vielen Jahren in Stadtteilinitiativen und Mieterorganisationen aktiv. Sein Weblog (www.gentrificationblog.wordpress.com) dokumentiert Nachrichten zur Stärkung von Stadtteilmobilisierungen und Mieter/innenkämpfen

20. November
Erfurt, Offene Arbeit, Allerheiligenstr. 9, 20:30 Uhr
Ella von der Haide: Urban Gardening – ein Konzept zur Rückeroberung städtischer Räume
Urbane Gemeinschaftsgärten, in denen Menschen gemeinsam ihre Umgebung gestalten und ökologische Nahrungsmittel anbauen, sind ein weltweites Phänomen. In „Community Gardens” verbergen sich angesichts wachsender Verarmung, Vereinzelung und hoher Erwerbslosigkeit in Zeiten der Globalisierung Potenziale, die eine kreative und positive Reaktion auf aktuelle soziale und gesell­schaftliche Problemlagen darstellen.

Dipl.-Ing. Ella von der Haide ist Landschaftsgärtnerin und hat Stadt- und Regionalplanung studiert. Sie arbeitet seit 2003 als Videoaktivistin und freischaffende Filmemacherin. Ihr Dokumentarfilm „Eine andere Welt ist pflanzbar! Gemeinschaftsgärten weltweit“, von dem ein Teil in der Veranstaltung gezeigt wird, porträtiert AktivistInnen aus den Gemeinschaftsgärten, die nicht nur grüne Oasen mitten in der Stadt sind, sondern Projekte, durch die sie „eine andere Welt“ verwirklichen. Infos zu dem Dokumentarfilmen unter
www.eine-andere-welt-ist-pflanzbar.de